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Jochen Stopperam

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Hans Dörfert
Wilhelm Wolter
Geschichtskommission
Vom VEB zur AG
Hochspannungsnetz

 

Systemvergleich 1995 fünf Jahre nach der Wandlung vom Volkseigenen Betrieb zur Aktiengesellschaft.

9 Interviews mit langjährigen Mitarbeitern. Die Interviews wurden von der Diplomandin der Universität Rostock Frau Sabine Brucks geführt und aufgeschrieben. Sie hat die Aussagen lakonisch kurz wiedergegeben. Dadurch entstand zwar ein übersichtlicher Text, aber um den Preis eines flüssig lesbaren Stils.

1. Interview mit Gerhard Kleist.

Einige umgewandelte Struktureinheiten mit analogen Aufgaben

1988

heute

Hauptabteilung Energieabrechnung Abt. Verkaufsabrechnung
Anschlußwesen in den Ingenieurbereichen Elt-Verteilung Anschlußwesen in der Abt. Stromanwendung und -versorgung
Bezirksstelle für rationelle Energieanwendung mit den Abteilungen Territorialer Energieträgereinsatz, Energieanwendung, Energielenkung und -planung, Brennstoffversorgung Abt. Vertriebswirtschaft
Meisterbereiche Zählerwesen in den EV-Betrieben plus 2 Mitarbeiter im Fachbereich Produktion Abt. Meß- und Zählerwesen
Abteilung Energieanwendung Gruppe Kundenberatung
 

- Meß- und Zählerwesen unterstand den jeweiligen Direktoren der Energieversorgungsbetriebe Schwerin, Ludwigslust und Güstrow. Zu den Aufgaben gehörte beispielsweise die Abnahme der Zähler. War unmittelbar dem produktiven Bereich zugeordnet. Im Fachbereich Produktion waren 2 Personen zuständig für die Koordinierung der allgemeinen Arbeiten, z.B. Planung der Anzahl der Zähler, Zählerprüfung in Oranienburg u.a.

- das damalige Anschlußwesen wurde repräsentiert durch Mitarbeiter in den Ingenieurbereichen Elt-Verteilung, fachlich zentralisiert in der Abt. Betrieb Elt. Heute ist es zentralisiert in der Abt. Stromanwendung und -versorgung.

- Das Energiekombinat führte die Versorgung mit Elektroenergie, Gas und Fernwärme durch und der Bereich Energie- und Brennstoffökonomie des EK war verantwortlich für die gesamte energetische Struktur des Territoriums, z.B. laufende Planung und künftige Entwicklung. Die Betriebe mußten hier für Neuanlagen den Antrag für die Energieversorgung stellen.

- Der Bereich Energie- und Brennstoffökonomie hatte große Bedeutung für das Territorium. Von hier aus erfolgte die Steuerung des rationellen Umgangs mit Energie für alle Betriebe.

- Die Basis für die Planung und Steuerung waren immer die begrenzt verfügbaren Ressourcen.

- Anträge auf Strom wurden hier geprüft, z.B Zuckerfabrik, Fliesenwerk etc. Alle innerbetrieblichen Zusammenhänge verschiedenster Betriebe mußten bekannt sein und verstanden werden.

- Großer Zugriff auf die Energieversorgungsstrukturen der Betriebe innerhalb des Territoriums.

- Wenn nicht genügend Strom erzeugt wurde, Lastverteilung auf Nachtarbeit der Maschinen. Der Lohn war zwar nachts höher, aber das war nicht wichtig.

- Strompreise waren Festpreise, nur für die Industrie gab es Preisänderungen. Sie folgten jedoch nicht den Herstellungskosten.

- Die Betriebe arbeiteten lieber mit Öl als mit Braunkohle. Braunkohle war unsauber und gefror im Winter in den offenen Lagern.

- Der Öleinsatz war über Preiserhöhungen nicht steuerbar, darum gab es nach einiger Zeit Abnahmezwang für Braunkohle.

- Zwischen sozialistischen Ländern erfolgte der Austausch Ware gegen Ware, z.B. Öl gegen Schiffe. Nach der Ölpreiskrise hatten die Werften der DDR jedoch nicht genug Kapazitäten, um entsprechend mehr Schiffe an die SU zu liefern. Also dann Öl gegen Schiffe  +  Fliesen.

- Dann Verbot der Nutzung von Öl. Alles mußte umgestellt werden. Wahnsinnig teure Umstellung. Notdürftig wurden aus Ölkesseln Kohlekessel gemacht, weil Kesselbaukapazitäten nicht reichten. In einem Jahr mußte die Umstellung vollzogen sein (Klugheit erforderlich, sonst rollten Köpfe).

- Die damaligen Aufgaben territorialer Energieeinsatz und Energielenkung und -planung sind heute bei der Abt. Vertriebswirtschaft. Dabei ist die Aufgabe, die Spitzenzeiten auszuloten, um den aus dem Verbundnetz eingespeisten Strom zu verteilen, heute nicht mehr nötig.

- Damals gab es nur bedarfsorientierte Steigerungen, während heute die Steigerungen verkaufsorientiert sind.

1988

 

heute

So wenig wie möglich Energie verkaufen. Reine Dienstleistungen, um die störungsfreie Versorgung zu sichern   Soviel wie möglich Energie verkaufen, um Gewinne zu erzielen.

- Die Aufgaben der heutigen Gruppe Kundenberatung wurden früher, wenn auch in weit geringerem Maße, von der Abt. Energieanwendung wahrgenommen. Eine Kundenberatung im heutigen Sinne gab es nicht. Sie bezog sich damals im wesentlichen auf betriebliche Kunden. Natürlich wurden auch Privatkunden beraten, wenn sie sich beispielsweise eine Gasheizung einbauen lassen wollten. Aber das passierte weitaus seltener. In den EV-Betrieben gab es keine strukturmäßigen Kundenberatungen.

- Inhalt der Beratungen:

- z.B. Umstellung Glühlampen auf Leuchtstofflampen, Umstellung von Wärmeerzeugung, Maschinenzeiten variieren, Frühstückszeiten variieren, Wärmerückgewinnung aus Dampfkondensat.

- Beurteilung der Kostensenkung beim Rückgang des Energieverbrauchs

- Witschaftlichkeitsrechnungen für den Energieeinsatz

- Ab Mitte der 60-er Jahre Beurteilung der eigenen Investitionen nach der Rücklaufdauer, Erarbeitung von Verträgen mit dem Abnehmer (z.B. LPG) über Beteiligungen. Auf Anweisung vom Minister Vermeidung zu hoher Investitionen. Diplommathematiker führten Aufwandsbetrachtungen durch über Rücklaufquote von Investitionen.

- Stromeinkauf früher bei VEB Verbundnetz (überregional) mit Spannungsebenen 220 kV und 380 kV. Heute Stromeinkauf durch Abt. Vertriebswirtschaft bei überregionaler VEAG.

- Für den Bedarf der Haushalte war die Stromversorgung gesichert. Für diese gab es sehr begrenzte Möglichkeiten der Heizung mit Elektroenergie. Die Möglichkeiten für Raumwärme mit Gas und Öl waren limitiert.

- Wenn zu wenig Strom vorhanden war, ging dies zu Lasten der Industrie. Das Primat lag bei der Bevölkerung. Die Industrie kam mit Einschränkungen erstmal auch zurecht, da sie sich generell mehr Strom anforderte, als sie wirklich benötigte.

- Es wurde gepokert: wenn der Winter milde wird, schaffen wir es.

- Es existierten sensible Bereiche, die immer mit Strom versorgt werden mußten, z.B. Krankenhäuser, Tierhaltung, Gewächshäuser.

- Die Mitarbeiter, die alle diese Aufgaben (Sicherung der Versorgung bei Einhaltung der Planwerte) zu koordinieren hatten, steigerten nicht das Produktionspotential, waren aber trotzdem unabdinglich.

- Nicht immer ging alles glatt. Z.B. als mitten im Winter 2 Maschinen mit je 500 MW im Kraftwerk Boxberg ausfielen oder als Winterstürme viele Freileitungen zerstörten.

- Im ärgsten Fall gab es dann schon mal Ortsverteilschaltungen nach Stadtvierteln, z.B 7:00 - 9:00 Uhr Stromversorgung der Betriebe in Lankow, 9:00 - 11:00 Uhr Stromversorgung der Betriebe in Schwerin-Süd.

 

2. Interview mit Jochen Stopperam

Unter einem Kombinat versteht man die Zusammenfassung der Betriebe, die für eine bestimmte Erzeugnisgruppe eng miteinander verbunden sind.

- Die Leitung der Kombinate erfolgte durch Kombinatsdirektoren, ab 1986 Generaldirektoren. Die Generaldirektoren waren verantwortlich für die Planvorgaben an die Kombinatsbetriebe.

- Gesetzlich vorgeschriebene Funktionselemente eines Kombinates waren: Generaldirektor, Direktoren der VEB, Abteilungsleiter

- Alles andere wurde nach Bedarf eingerichtet, z.B die Anzahl der notwendigen Fachdirektoren. Wenn viele Abteilungsleiter, Gruppenleiter, Ingenieurbereichsleiter, dann Zusammenfassung zu Hauptabteilungen nach dem Motto: einem Direktor sollten nicht mehr als 6 - 8 Struktureinheiten unterstellt sein.

- Die Befugnisse der einzelnen Leitungsebenen waren abgestuft, fachlich durch die Geschäftsordnung und personell durch die Arbeitsordnung.

- Pläne wurden zentral erarbeitet und zugeteilt. Verantwortlich für die Planung im Betrieb war der Direktor für Ökonomie, aber nur für Ausarbeitung und Ablieferung, nicht für die Vorgabe der Hauptkennziffern.

Planungshierarchie zu DDR-Zeiten: 1. Planungseinrichtungen in den Betrieben, 2. Planungseinrichtungen in den Kombinaten, 3. Territoriale Planbehörden (Kreise und Bezirke), 4. Staatliche Plankommission.

- Die Staatliche Plankommission arbeitete mit Hilfe von Plankennziffern und Bilanzierungs-Systemen, z.B. Leistungen im Bauwesen waren mit Baumaterial zu bilanzieren, Berufsausbildungskapazitäten waren mit Schulabgängeraufkommen zu bilanzieren usw.

- Problem: Die Staatliche Plankommission fing erst spät an, Pläne mit elektronischen Werkzeugen zu erstellen. Davor wurde die Planung von Tausenden Erzeugnissen und Leistungen nur per Hand bearbeitet.

- Weiteres Problem: Widerspruch zwischen dem Bestreben der Planungsorgane, keine Polster zuzulassen und dem Bestreben der Betriebe, sich durch Polster abzusichern.

- Weiteres Problem: Erzeugnisse und Leistungen wurden vielfach nicht nach Wert dargestellt, es gab Industriepreise, Endverbraucherpreise und Zwischenformen. Das hatte zur Folge, daß die gegenständliche Planung (Planung nach Produkten) und die finanzielle Planung immer mehr auseinanderklafften.

Nähere Erläuterungen zum Aufbau des Energiekombinates Schwerin

- Dem Generaldirektor waren die Fachbereiche sowie die Kombinatsbetriebe Schwerin, Güstrow und Ludwigslust direkt unterstellt, hatten gemeinsame Kontenabrechnung, es ging alles in den großen Topf des Kombinates.

- Der VEB Kohlehandel war zwar auch dem Generaldirektor unterstellt, war aber ein selbständiger Volkseigener Betrieb mit eigener Buchhaltung und eigener Bilanz.

- In ihrer Ebene konnten die Betriebsdirektoren selbständig entscheiden, die Pläne wurden ihnen jedoch vom Kombinat vorgegeben und sie mußten die Ergebnisse an das Kombinat berichten.

- Ende der 80-er Jahre wurde versucht, die Hirarchie flacher zu bekommen, indem der Generaldirektor auch Direktor eines Stammbetriebes wurde. Im EK Schwerin sollte die Energieversorgung Schwerin Stammbetrieb sein.

- Durch gleichzeitige Erweiterung des "Fachbereiches Produktion" versuchte der Generaldirektor die Überforderung durch eine sehr große Leitungsspanne zu vermeiden. Trotz flacherer Hierarchie wurde so der "Wasserkopf" nicht weniger.

- Das Problem war jedoch nicht die Aufbauorganisation (Struktur) der Betriebe. Sie war aus der täglichen Arbeit entstanden, in der praktischen Arbeit begründet. Deshalb sind dort erstmal keine systematischen Fehler zu finden, sie war nicht unsinnig.

- Das Problem waren die Grundlagen des Wirtschaftssystems: Die Politik bestimmte die Ziele der Wirtschaft, sie bestimmte z.B. die Preise (Brötchen über Jahrzehnte fest 5 Pf., Strom über Jahrzehnte fest 8 Pf. usw.), die Politik bestimmte die Proportionen der Wirtschaft, sie dominierte die Ökonomie. Das Werkzeug dafür waren die Planungsorgane.

Planwirtschaft

Marktwirtschaft

Hauptaufgabe war die unterbrechungsfreie Versorgung der Abnehmer (Kunden) mit Strom, Gas und Fernwärme. Dazu wurden Beiträge aus verschiedenen Strukturbereichen geleistet. Der Kunde hatte seine Ansprechpartner direkt in dem jeweiligen mit dem Problem befaßten Bereich. Zentrale Bedeutung hat die Arbeit mit den Stromkunden, deshalb Ansprechpartner zusammengefaßt in einer Abteilung. Weiterreichung der Probleme an die bearbeitenden Bereiche. Das dauert.

Der Ölpreisschock 1981/82 hatte zur Folge, daß fast die gesamte Energieversorgung aus eigenen Ressourcen (Braunkohle) erzeugt werden mußte. Daraus folgten Umweltschäden durch Schwefeloxide, Staub und Asche. Umstellung aller Betriebe von Öl auf Braunkohle. Im Gaskombinat "Schwarze Pumpe" wurde in großem Umfang Gas aus Braunkohle gewonnen.    

 

3. Interview mit Eberhard Mülbe

Aufgaben der Abteilungen des Direktorates für Energie- und Brennstoffökonomie im Energiekombinat

Abt. Territorialer Energieträgereinsatz: Energieplanung für neue Versorgungsgebiete, Entscheidungen zu Kontingenten, z.B. für Heizgas.

Abt. Energieanwendung: Kundenberatung, energiewirtschaftlichen Untersuchungen, Durchführung der Kontrollen (resultierend aus der staatlichen Energieverordnung), Prüfung der Betriebe zur wirtschaftlichen Energieverwendung (Kontingenteinhaltung, Energieeinsparungen, effektive Energienutzung), Zuarbeit zur territorialen Energieplanung

Abt. Brennstoffversorgung: Lenkung der Kohleversorgung, einschl. Beschaffung und Kontingentierung

Abt. Energielenkung und -planung: Stromeinkauf und -beschaffung, Führung der Energiestatistik, Durchführung von Analysen, Umsetzung der Planvorgaben, Kontingentierung

Abt. Leistungsabrechnung: Abrechnung der Leistungen des Kombinates gegenüber dem Kunden, soweit es Leistungen außerhalb des Energieabsatzes sind

Hauptabteilung Energeiabrechnung: Abrechnung aller Formen des Energieabsatzes gegenüber dem Kunden

Ein Vertriebsbereich im heutigen Sinne war zu DDR-Zeiten nicht existent. Die heutige Hauptabteilung Stromvertrieb umfaßt, grob gesagt, Vertrieb, Einkauf und Verkauf. Sie ist kundenorientiert.

In der Hauptabteilung Stromvertrieb gibt es die Abt. Vertriebswirtschaft mit 12 Mitarbeitern, die u.a. die Aufgabe haben, mit den Städten und Gemeinden zusammenzuarbeiten. Z.B. werden mit denselben Konzessionsverträge abgeschlossen. Die Städte und Gemeinden haben zwei Möglichkeiten, sich mit Strom zu versorgen: Die Selbstversorgung (Stadtwerke) oder die Versorgung durch EVU verbunden mit Konzessionsverträgen.

Für die WEMAG ergibt sich aus einem Konzessionsvertrag folgender Vorteil: Sie erhält das Wegenutzungsrecht, d.h. sie kann öffentliche Straßen und Wege dazu nutzen, ihre Stromleitungen zu verlegen. Außerdem sind die Stromabnehmer dort dann WEMAG-Kunden.

Die Städte und Gemeinden haben aus dem Konzessionsvertrag folgende Vorteile: Einnahmequelle Konzessionsabgabe, Wegfall der Konzessionsabgabe im Strompreis für den gemeindlichen Verbrauch (Straßenbeleuchtung, Schule, Kindergarten u.a.), Unterstützung der WEMAG für kommunale Energieprojekte

Die Konzessionsverträge dauern 20 Jahre und sichern somit der WEMAG über lange  Zeit einen festen Kundenkreis. Derzeit hat die WEMAG Verträge mit 389 Städten und Gemeinden von 399 im Versorgungsgebiet vorhandenen. 

Zu denen, die nicht in einem Konzessionsvertrag mit der WEMAG stehen, gehören Schwerin, Güstrow, Boizenburg (mit Anschluß an Lauenburg) und Wittenberge. Das ist nachteilig für die WEMAG, denn gerade in den größeren Städten befinden sich die meisten Kunden. Die Städte Parchim, Ludwigslust, Grabow, Lübz, Brüel und Hagenow streben ebenfalls die Stromversorgung durch eigene Stadtwerke an und haben deswegen keinen Konzessionsvertrag abgeschlossen.

Früher war die Energieversorgung staatlich geregelt. Es gab 15 Bezirke in der DDR und ebenso viele Energiekombinate. Gemeinden und Städte waren in der Energieversorgung ohne Mitspracherecht. Heute gehört ihnen ein Aktienanteil von 49 % an der WEMAG (die aber z.Z. noch durch die Treuhand gehalten werden). Die anderen 51 % hält die HEW.

Früher: Verwaltung des Energiemangels, feste Energiepreise

Heute: WEMAG als Stromanbieter will verkaufen und ist ein Dienstleistungsunternehmen. Die Preise orientieren sich an den Kosten (hauptsächlich Stromeinkauf und Personal). Heute gibt es die Tarifkunden und rund 1700 Sondervertragskunden. Die Preiskalkulation für Sondervertragskunden wird in Bezug zu den VEAG-Bezugspreisen und zum Abnahmeverhalten des Kunden (z.B. morgens, nachts) gesetzt. Die Vertriebswirtschaft erarbeitet die Grundlagen für den Stromein- und -verkauf.

Heute wird mit dem Energieabrechnungssystem EAS gearbeitet, für das u.a. die Lokationsdaten Ort/Ortsteil/Straße usw. geplegt werden müssen.

Kurzer historischer Abriß der Umwandlung

Nach der Wende als erstes Ausgliederung des Kohlehandels

Im 1.Halbjahr 1990 Kontakte mit der Schleswag AG. Es erfolgte eine leichte Anpassung der Struktur, zeitweise gab es die Abt. Energiewirtschaft.

Dann kam der Stromvertrag vom 22.08.1990. Neue Aufgaben wurden schrittweise in Angriff genommen, mit noch gemischter Struktur. Ende 1991 Anpassung an die Struktur der HEW. Ab 01.11.1991 Hauptabteilung Vertrieb, dann Stellenausschreibungen.

Früher Abrechnung mit System ESER auf den ESER-Großrechnern (teilweise mit handschriftlicher Erfassung bei 286 000 Kunden). Es gab staatlich vorgegebene Preise und keine Kosten-Nutzen-Rechnungen. Die Vertragsarbeit war nur formeller Natur. 

Heute wird mit EAS auf dem Großrechner der HEW abgerechnet. Die Preise sind an den Kosten und am Markt orientiert.

Nach der Wende wurden die Aufgaben in Anlehnung an westdeutsche EVU neu verteilt. Die Consulectra beschäftigte sich mit Arbeitsabläufen, Schnittstellen, dem Energieabrechnungssystem etc. Die Hauptabteilungsleiter stellte die HEW und die Vorlagen für die Aufgabenbeschreibungen kamen von der HEW.

In Boltenhagen wurden Workshops durchgeführt und es wurden Arbeitsgruppen für die verschiedenen Bereiche gebildet. In Befragungen wurde der Ist-Zustand aufgenommen. Meinungen wurden gesammelt und flossen in die neue Struktur ein. In den Aufgaben gab es z.B. folgende Veränderungen: Marktorientierte Preisbildung, bessere statistische Aufarbeitung, Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden, Dienstleistungen wie Kundenberatung, kommunale Dienste, Nutzung regenerativer Energie, Entsorgung, Marktpartnerbetreuung. Alles nach wirtschaftlichen Kriterien.

Die Ausgliederung zu den Stadtwerken Schwerin nahm ein Viertel des Stromverkaufs mit und zog einschneidende Änderungen nach sich. Z.B. wurde die Abt. Vertriebwirtschaft in eine Gruppe umgewandelt.

 

4. Interview mit Ullrich Güßmann

Die Struktur des Energiekombinates war anders als die der WEMAG, weil das Energiekombinat eine andere Aufgabe als die WEMAG hatte.

Im Mittelpunkt stand die Umsetzung der zentralen Aufgaben und nicht, wie heute, das wirtschaftliche Arbeiten.

Es gab auch Nachrechnungen und Kontrollen, aber die Wirtschaftlichkeit des Gesamtunternehmens wurde nicht betrachtet.

Es galten feste Preise, es wirkte kein wirtschaftlicher Druck, die Mittel mußten nicht selbst erwirtschaftet werden. Gewinne wurden an den Staatshaushalt abgeführt.

Durch mangelnden Einblick der Planungsorgane wurde falsch geplant, z.B. 1000 Strickmaschinen in einem Jahr anzufertigen, 500 wurden aber nur gebraucht. Die anderen 500 kamen 3 Jahre lang auf Lager. Dafür hätte etwas Wichtigeres hergestellt werden können. Eine allgemeine staatliche Planung kann nie alle Eigenheiten in den Betrieben berücksichtigen.

Der Generaldirektor übernahm die Planwerte von der Staatlichen Plankommission und hatte die vorgegebenen Werte umzusetzen (die meist schon unreal waren).

Zu DDR-Zeiten gab es keinen Konkurrenzdruck. Die Preise waren nicht kostendeckend, sondern staatlich subventioniert. Die Finanzen wurden knapper, die Wirtschaftlichkeit war nicht mehr da.

Die Gewinne blieben nur in kleinem Umfang in den Betrieben, sonst wäre in der DDR die Finanzierung von Sozialwesen, Armee, MfS etc. nicht möglich gewesen.

Strukturen des Energiekombinats waren vom Staat vorgegeben. Heute wird die Struktur nach den Aufgaben erarbeitet, dabei hat das Unternehmen sich nach der gesetzlichen Verantwortlichkeit zu richten.

Die Umsetzung der Aufgaben war damals anders als heute.

Z.B. das Anschlußwesen. Zu DDR-Zeiten gab es bestimmte Vorschriften zum technischen Anschlußwesen. Alle Anschlüsse im Haushaltsbereich wurden vom Staat finanziert, waren für den Kunden kostenfrei. Die Energiekombinate hatten die Aufgabe, die Anschlüsse zu legen und zu verwalten. Oft legten die Kunden die Anschlußleitungen selbst.

Nach der Wende kam die Verordnung, dass die Anschlusskosten ab einem bestimmten Punkt an die Energieversorgungsunternehmen zu erstatten sind. Die entsprechende Aufgabe umfaßt heute Kundenberatung, Planung, Betreuung, Bauausführung, Abnahme und Inbetriebnahme. Dazu sind andere Strukturen notwendig.

Damals gab es volkseigene Anschlüsse und kundeneigene Anschlüsse (dann nur Verwaltung durch Energiekombinat). Heute gehören alle Anschlußleitungen und Anschlüsse bis zu einem bestimmten Punkt dem EVU.

Auch durch ganz neue Aufgaben wie Marketing und Controlling ergaben sich Strukturveränderungen. Tarif- und Preisgestaltung sind nicht mehr fest vorgegeben, das erforderte ebenfalls neue Stellen.

Weil der Kunde heute die Auswahlmöglichkeit zwischen Strom, Gas u.a. hat, ist Beratung und Betreuung erforderlich, um den Kunden beim Strom zu halten. Für ihn sind im Rahmen des Unternehmens günstige Konditionen zu schaffen. In dem Zusammenhang ist das Abnahmeverhalten Tag/Nacht sowie Sommer/Winter herauszufinden.

Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit bestimmt heute die Abwicklung der Aufgaben. Damals gab es feste Strompreise. Heute kann der Kunde durch sein Abnahmeverhalten die Preise beeinflussen. Veränderungen bei den Preisen führen zu Veränderungen im Bereich Tarife/Verträge. Der Umsatzgewinn ist im Preisgefüge eingerechnet. Grundlage bilden die Tarifpreise, die vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden und die Sondervertragspreise, die frei in Verträgen abschließbar sind unter Beachtung der jeweiligen Kostendeckung.

In der Abteilung Stromanwendung und  -versorgung (VS) ist ein mehr kaufmännischer Teil (Tarife und Verträge) und ein mehr technischer Teil (Anschlußwesen) zusammengefaßt. Die Zusammenfassung der Planstellen zu Abteilungen erfolgte nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nach dem Zusammenhang der Sachgebiete. Im Bereich Anschlußwesen werden Kundenanträge eingereicht, alle kundenrelevanten Daten für künftige Kunden aufgenommen und die technische Abandlung (Bau) vollzogen. Nach Fertigstellung der Anlage ist als nächster Schritt die Frage der Art der Stromversorgung zu bearbeiten. Das ist Aufgabe des Bereiches Tarifkunden. Hier erfolgt die Strompreisgestaltung , die Gestaltung der Tarife und der entsprechenden Verträge. Also: Technischer Anschluß + Stromlieferung = Stromanwendung und -versorgung.

Im Zuge der Neustrukturierung nach der Wende wurden von der Consulectra (Zur HEW gehörende Unternehmensberatung) Befragungen durchgeführt und berücksichtigt. In Seminaren wurden verschiedene Lösungen vorgestellt. Die Leitungshierarchie konnte mitwirken und sichten, welches die zum damaligen Zeitpunkt optimale Variante sein könnte. Grundstrukturen wurden von der Consulectra richtig überlegt, aber inzwischen ist eine optimalere Gestaltung nötig, z.B. läuft die Arbeitsteilung zwischen Vertrieb, Netz und Technik nicht optimal und erzeugt sehr hohen Arbeitsaufwand. Es bestehen auch neue Anforderungen an die Vertriebsgruppen Mitte und Nord durch Ausgliederung der Netzdienstellen Schwerin und Güstrow zu den Stadtwerken.

Die Abteilung ist das Aushängeschild gegenüber dem Kunden. Ihre Vorgänger im volkseigenen Energiekombinat waren (jeweils für ein Teilgebiet): Abt. Territorialer Energieträgereinsatz (z.T. auch für heutige Vertriebswirtschaft), Abt. Energieanwendung (z.T. auch für heutige Vertriebswirtschaft), Abt. Energielenkung und -planung (z.T. auch für heutige Vertriebswirtschaft), die Ingenieurbereiche der Elt-Verteilung (überwiegend jetzt die Netzdienststellen).

 

5. Interview mit Anke Stein

Im Energiekombinat war die Energieabrechnung eine Hauptabteilung, bestehend aus drei territorialen Abrechnungsstellen für Tarifkunden, in denen Außen- und Innendienst zusammen organisiert waren, der Absatzorganisation, die sich mit dem Rechenprogramm ESER beschäftigte (vergleichbar einer heutigen EDV-Verbindungsstelle) sowie der Gruppe Groß- und Sonderabnehmer.

Die Energieabrechnung erfolgte in der DDR mit einem für alle Betriebe und Kombinate einheitlichen System: ESER.

Gesetzliche Grundlagen waren die Energie-Tarif-Bestimmungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft. Sie enthielten allgemeine Bestimmungen, z.B. darüber, wie ein Energieliefervertrag zustande kam. Der Preis enthielt 2 Bestandteile, den Arbeitspreis (für die verbrauchte Menge) und den Grundpreis (in Haushalten 50 Pf. pro Raum und Monat und im Gewerbe nach der Anschlußleistung).

Tarifkunden wurden einmal jährlich abgerechnet, dazu gab es vierteljährliche Festbeträge.

In den Energiebrechnungsstellen Arbeitsteilung in Änderungsdienst, Forderungsbearbeitung und Außendienst.

Der Außendienst umfaßte Tätigkeiten wie Ablesen der Zählerstände (z.T. auch mit Hilfe von Ablesekarten), Kassieren der Festbeträge bei Barzahlung, Inkasso, Sperrung des Verbrauchs etc. Es gab fest angestellte Kassierer und nebenberufliche Auftragskassierer. Z.T. erfolgte die Kassierung der Festbeträge auch über Zahlscheine im Postversand und Abbuchung.

Die Abrechnung mit ESER erfolgte nicht im Energiekombinat, sondern auf dem Großrechner im Datenverarbeitungszentrum Schwerin. Änderungsmeldungen und Stände wurden an das DVZ gegeben. Die Kundenverwaltung im Energiekombinat wurde manuell in Büchern vollzogen.

Es gab keine individuellen Kundenkonten. Die Abnehmernummer richtete sich nach dem Zähler, sodaß nacheinander in einer Wohnung wohnende Mieter dieselbe Abnehmernummer hatten. Schwierigkeiten ergaben sich dann, wenn Zahlungen des Nachmieters gegen Forderungen an den Vormieter abgegrenzt werden mußten.

Die manuell geführten Bücher gingen einmal jährlich an das DVZ, wo die Zählerstände eingegeben und die Jahresrechnungen erstellt wurden. Die Verbrauchsabrechnung wurde rollierend übers Jahr verteilt durchgeführt. 3 Monate später erhielt der Kunde die Rechnung. Dadurch günstigere Arbeitsverteilung gegenüber einer Stichtagsablesung für alle.

Der Kunde konnte überweisen oder bar zahlen. Konten wurden bei den Postgiroämtern Magdeburg und Leipzig sowie bei der Staatsbank der DDR geführt. Die Zahlungseingänge erschienen auf dem Kontoauszug - damit wurde manuell gebucht.

Die Forderungsbearbeitung begann, wenn die Abbucher abgebucht und die säumigen Barzahler in einer sogenannten Restantenliste vermerkt waren. Die Kunden wurden nach den politischen Kreisen auf die Mitarbeiter aufgeteilt. Nach 2 Mahnungen bestand die Möglichkeit der Stromabschaltung. Dann gerichtliche Zahlungsaufforderung über gerichtliches Mahnwesen. Dieses gehörte auch zur Energieabrechnung, während es heute zur Rechtsabteilung gehört. Die Betriebe waren verpflichtet, am Lastschriftverfahren teilzunehmen. So war dort die Forderungsbearbeitung gering.

Mitte der 80-er Jahre wurden Verzugszinsen eingeführt. 10% bei 1.Mahnung + 1,- M Mahnkosten und 20% bei 2.Mahnung + 2,- M Mahnkosten. Die Verzugszinsen wurden in den verschiedenen Energiekombinaten unterschiedlich gebucht, es war nur vorgegeben, daß sie einzuziehen sind.

Weil für diese Aufgaben weitere Einstellungen gestoppt wurden, kamen kaum neue Mitarbeiter hinzu. Als die manuelle Bearbeitung dann zu umfangreich wurde, ging man dazu über, die Zahlungsvorgänge maschinell zu buchen über ein Computerprogramm, das dafür erarbeitet wurde. Manuelles Suchen fiel weg und war nur noch nötig, falls etwas nicht zugeordnet werden konnte. Die Computer gab es nur dort, wo die Zahlungseingänge und Restanten erfaßt wurden.

Zwischenrechnungen wurden weiterhin manuell erstellt und über Zahlungsbelege an das Rechenzentrum gegeben. Über ESER liefen nur die Jahresrechnungen und die Schlußrechnungen.

Sondervertragskunden wurden auch über ESER abgerechnet, entweder einmal monatlich oder einmal jährlich.

Mit der Währungsunion am 1. Juli 1990 kam auch ein neues Bankensystem, das ESER nicht verarbeiten konnte. Die Halbierung von Forderungen und Abschlägen verursachte großen Aufwand. Neue Tarife galten ab 1.1.1991, dadurch Stichtagsablesung für alle Kunden, z.B. Erhöhung von 8 auf 21 Pf. für Haushaltskunden.

Ende 1990 begann die Geschäftsbesorgung durch die HEW, ab 1991 wurde die Abt. Verkaufsabrechnung gebildet. Bis 1993 wurden bei der Rechnungserstellung als Übergang das ESER-Programm und neue Großrechner-Terminals doppelgleisig gefahren. Mit Hilfe einer Projektgruppe wurde das Energieabrechnungssystem EAS  eingeführt. Im Zuge damit Kundenanlagenbegehungen mit Aufnahme der Kundendaten, Name, Branche etc.

Ab Anfang 1993 Überleitung in EAS in 3 Schüben. Weiter Fahren mehrerer Systeme verbunden mit viel zusätzlicher Arbeit. Durchführen von Mitarbeiterschulungen.

Ab 1994 Konzentration auf EAS. Weil das EAS-Standardprogramm nicht auf die WEMAG zugeschnitten ist, muß es durch die Gruppe DV-Systembetreuung betreut werden.

Die Gruppe Außendienst ist in 5 Gebiete eingeteilt. Die Ableser lesen nur noch den Zählerstand ab und kassieren nicht mehr vor Ort.

Die Gruppe Tarifkunden bedient die Kunden im Innendienst. Die Sachbearbeiter arbeiten mit festem Kundenkreis analog dem Außendienst. Sie bearbeiten Veränderungen der Kundendaten, die Prüfliste (prozentuale Abweichungen zum Vorjahr), Rechnungsprüfung, Mahnungen (Erinnerungen, Mahnungen mit Sperrandrohung, Inkassoaufträge mit Sperrung), Reklamationen. Das vorgerichtliche Mahnwesen erfolgt in dieser Gruppe (Aufbereitung).

Der Sachbearbeiter Zahlungsverkehr kümmert sich um die maschinelle Abstimmung der Zahlungen von Tarifkunden, um die Ablesekarten, um die Forderungsabstimmung etc.

Der Mitarbeiter für Grundsatzfragen erstellt Konzeptionen, Arbeitsanweisungen etc.

Neue Anforderungen ergaben sich nach und nach durch die Ausgliederung von Kunden zu Stadtwerken, durch die Abspaltung der Gasversorgung (im Energiekombinat wurde Strom und Gas abgerechnet) und durch sogen. Betriebsentflechtungen (aus einem größerem Betrieb wurden mehrere kleinere).

Es gab viele Änderungsdaten im EAS durch diverse Gewerbeanmeldungen und -zusammenbrüche. Für Betriebe ist heute auch Barzahlung möglich. Ehemalige Sonderkunden mit jährlicher Abrechnung (z.B. Polizei, Armee) sind heute in normale Verträge eingeordnet.

 

6. Interview mit Manfred Hering

Zu DDR-Zeiten waren die Meisterbereiche Zählerwesen den Energieversorgungsbetrieben unterstellt und wurden durch Mitarbeiter des Direktors für Produktion fachlich angeleitet. Das Zählerlager war wie heute zentral. Die Zählerverwaltung erfolgte manuell und mit dem EDV-Programm ESER.

Die von den Monteuren geschriebenen Zählermontage-Belege mit niedriger Datenqualität gingen über die Energieabrechnung. Dort wurden sie nach deren Erfordernissen an das DVZ zur elektronischen Verarbeitung weitergereicht. Das hatte zur Folge, daß die Daten teilweise schon veraltet waren (ein Beleg konnte bis zu einem Jahr liegenbleiben) und daß dadurch beispielsweise nur ungenaue Statistiken erstellt wurden.

Wenn die Daten eingegeben waren, dann waren Turnustausch, Ablesungen etc. ordentlich möglich. Zu DDR-Zeiten waren also die technischen Daten aus dem Zählerwesen und die kaufmännischen Daten aus der Energieabrechnung nicht immer auf dem gleichen Stand aktuell. Heute verändert der, der die Daten eingibt, damit auch die anderen Änderungen.

Der Turnustausch wurde im Energiekombinat von eigenem Personal durchgeführt, heute werden Fremdfirmen damit beauftragt.

Früher war für jeden Kunden ein Stammblatt im Abrechnungsbuch. Bei Kassierung vor Ort war das Buch draußen. Bei Kundenanfragen im Energiekombinat konnte der Innendienst dann keine Auskünfte geben.

Arbeit über Bildschirm war nicht möglich, der Zugriff auf die Daten über Computer ebenfalls nicht. Heute ist der Zugriff auf die Kundendaten über den Bildschirm jederzeit möglich.

Zu DDR-Zeiten war die Zählerbeschaffung auf die RGW-Länder begrenzt. Der Hauptanteil kam aus Polen, Rumänien und Ungarn. Auf RGW-Beschluß wurde die Zählerproduktion der DDR ab 1972 eingestellt.

Die zentrale Beschaffung für die gesamte DDR oblag dem Energiekombinat Dresden. Im Energiekombinat Schwerin gehörte die Zählerbeschaffung zum Aufgabenbereich der Gruppe Zählerwesen. Sie gab eigenständig Bedarfsmeldungen an das Energiekombinat Dresden.

Heute wird die Zählerbeschaffung in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung Materialwirtschaft abgewickelt. Die technischen Vorgaben gibt das Zählerwesen an, die kaufmännische Seite wird durch die Hauptabteilung Materialwirtschaft bearbeitet. Verkaufsverhandlungen werden gemeinsam geführt.

Heute besteht die Möglichkeit der europaweiten Ausschreibung für die Zählerbeschaffung. Auswahlkriterien bilden Lieferzeit, technische Parameter, Preis, Qualität.

Heute werden Zähler für 16 Jahre beglaubigt (Eichfrist für normale Zähler). Vor Ablauf der 16 Jahre über Stichprobenverfahren Prüfung. Auswahl von 40 aus 10 000  Stück. 1-2 dürfen abweichen. Dann Verlängerung um 4 Jahre. Dann Wiederholung der Stichprobe und Verlängerung solange, wie die Prüfung noch positiv ausfällt.

Zu DDR-Zeiten ähnliches Vorgehen, aber nicht das Beglaubigungs- sondern das Einbaujahr war ausschlaggebend. Die Bewertung erfolgte auf den Typ bezogen. Die Stichproben aus allen Energiekombinaten wurden im Energiekombinat Dresden geprüft. Die Prüfungen wurden im 5-Jahrplan-Zyklus geplant.

Zu DDR-Zeiten gab es große Probleme mit den Fahrzeugen. Das Benzin war limitiert, die Fahrzeuge veraltet.

Nach der Wende wurden Zähler mit elektronischem Zählwerk eingeführt, z.B. Leistungszähler bei Großkunden. Auf Grundlage der in der Zukunft nötigen Arbeit wurden entsprechende Stellen geplant.

Die Unternehmensberatung Consulectra führte Befragungen und Workshops auch zum Zählerwesen durch. Das Zählerwesen wurde dem Vertrieb zugeordnet, weil hier die meisten Schnittstellen vorhanden waren. Bei Großvorhaben erarbeitet ein Projektierungsingenieur die Aufgabenstellung, die Lieferbedingungen gestaltet die Abt. Vertriebswirtschaft.

Meßsätze sind Zähler mit besonderer Arbeitsweise, z.B. Messung nur zu bestimmten Zeiten oder Leistungsmessung. Nur die Sondermeßsätze werden direkt durch das Zählerwesen betreut.

Im Laufe 1995 soll das Zählerwesen zur Hauptabteilung Technik gehören.

 

7. Interview mit Rainer Künzel

In der DDR standen 20 000 MW elektrische Leistung zur Verfügung, nur soviel konnte verteilt werden. 450 MW waren für das Energiekombinat Schwerin, im Süden der DDR lag der höchste Verbrauch.

Früher war die Verteilung des Stroms die Hauptsache, da es zuwenig gab. Das Geld spielte keine Rolle, durch niedrige, feste Strompreise gab es keinen Anreiz zum Sparen.

Heute spielt das Geld die Hauptrolle. Strom ist genug da, aber er ist sehr teuer und nicht für jeden bezahlbar.

Das Energiekombinat steuerte, was von den Abnehmern gemacht werden konnte. Heute werden von den Kunden Forderungen gestellt, die erfüllt werden müssen.

Die heutige Abteilung Verkaufsabrechnung ist aus der damaligen Hauptabteilung Energieabrechnung hervorgegangen.

Die Abrechnungs-EDV war damals nicht in die Hauptabteilung Energieabrechnung eingegliedert, sondern sie gehörte zur EDV-Abteilung, die dem Generaldirektor unterstellt war. Sie betreute die Erstellung der Energierechnungen. Das Abrechnungssystem hieß ESER. Bestimmte Sachen wurden damals per Hand abgerechnet, z.B. Korrekturen, Nachberechnungen, Baustrom. Am Arbeitsplatz gab es keine Bildschirme.

Die heutige Gruppe DV-Systembetreuung hat die weiteste Zugriffsberechtigung auf das Abrechnungssystem, die Gruppe Außendienst die wenigste. Die Zugriffsberechtigungen ergeben sich aus der Kompetenz und den Aufgaben. Für die Gruppe Tarifkunden ist z.B. keine Zählerdatenveränderung möglich.

Abrechnungs-Formbriefe muß die Gruppe DV-Systembetreuung an die Organisationsabteilung geben. Schließlich gehen sie zur HEW.

Die Umstrukturierung lief schrittweise ab. Zuerst waren das Mahnwesen und die Gruppe ESER noch drin, weil es noch nichtübergeleitete Kunden gab.

Eine Rechnung verjährt 2 Jahre nach der Rechnungserstellung.

Ab April 1993 dann nur noch EAS. Es mußten 160 000 Kundenanlagenbegehungen durchgeführt werden, im Dez. 94 gab es nur noch 300 unbearbeitete Fälle. Die Kundennummern-Systematik im alten und im neuen System ist unterschiedlich.

Früher wurde die Nummer des Herstellerbetriebes als Zählernummer geführt, heute wird eine eigene WEMAG-Nummer als Zählernummer zusätzlich geführt. Alle Zähler mußten damit versehen werden.

 

8. Interview mit Karin Birzer

Heute wird bei den Energieversorgungsbetrieben unterschieden in Regionalversorger und Stadtversorger. Im 1. Stromvertrag (1990) wurden für das Gebiet der ehemaligen DDR 3 große West-Stromversorger zugeordnet. Im 1. Halbjahr 1990 waren durch das Energiekombinat Schwerin Kontakte zur Schleswag AG geknüpft worden. Schleswag ist ein Regionalversorger mit Sitz in Rendsburg und gehört der Preußen-Elektra AG. Sie wäre Partner des EK Schwerin geworden. Die Schleswag AG ist auch Flächenversorger, ähnlich wie die WEMAG. (Positiv).

Wegen Bemängelung durch das Bundeskartellamt wurde eine 2. Fassung des Stromvertrages ausgearbeitet. Jetzt 6 große Strompartner für das Gebiet der ehemaligen DDR. Dem Energiekombinat Schwerin wurden die Hamburgischen Electricitätswerke AG zugeordnet.

Die HEW hält 51 % der WEMAG-Aktien und ist auch Teilaktionär der Dresdner Energieversorgung. Sie ist durch umfangreiche eigene Erzeugerkapazität (Atomkraftwerke) größer als ein übliches Stadtwerk. Die Zuordnung der HEW war eine politische Entscheidung, marktwirtschaftlichen Grundsätzen folgend.

Der Verbund mit den HEW brachte eventuelle Nachteile mit sich: 

Bei den HEW sind Sturmstörungen kein Thema, weil hauptsächlich die Kabel in der Erde und keine Freileitungen im Stadtgebiet. So gab es schon kritische Situationen, weil die Gefahr durch die Leitung nicht berücksichtigt wurde. Beim Energiekombinat gab es bei Störungsgeschehen operative Stäbe, die auch nachts einsatzbereit waren. Es gab den Chef vom Dienst, Sekretariat usw. Das wurde auch bei der Schleswag AG ähnlich organisiert, auch dort ist ein dünn besiedeltes Land mit Freileitungen wie in Mecklenburg-Vorpommern. Die Verbindung mit dem natürlichen Nachbarn wäre sowieso günstiger gewesen, weil direkter Verbundbetrieb möglich. Mit HEW ist das nicht möglich.

Bei den HEW konzentriert man sich nur auf Strom, also wird ein Trend zur Abspaltung von Gas, Öl und Kohle bei der WEMAG erzeugt. In der DDR waren dagegen alle Energieträger unter einem Hut. Sie wurden einheitlich in Kalorien umgerechnet und gemeinsam bilanziert.

Die HEW stellte Berater (z.B. für den finanziellen Bereich) als Erfahrungsträger sowie Computertechnik. Die WEMAG ist an den Großrechner der HEW angeschlossen und nutzt diesen mit.

 

9. Interview mit Heike Danker

Im Energiekombinat wurden vor allem Gewerbe- und Industriebetriebe beraten, heute ist die Beratung überwiegend für Haushalts- und Tarifkunden.

Nach der Wende wurde in Zusammenarbeit HEW und WEMAG in der Geschäftsführung beschlossen, eine Kundenberatung aufzubauen.

Über Stellenausschreibungen konnten sich Interessenten aus Hamburg und Schwerin melden. Bewerbungen kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen, z.B Diplomkauffrauen, Ingenieure, Maschinenbauer. Auswahlkriterien waren der Umgang mit Menschen, die fachliche Ausbildung (Gerätekunde über Haushalts-, Wärmespeicher- Warmwassergeräte), Beratungsmethodik und Gesprächstechniken. Z.T. gab es Schulungen in Hamburg mit dortigen Kollegen und mit freien Kommunikationstrainern.

Nach und nach wurde die Kundenberatung aufgebaut. Eine geeignete Immobilie wurde gesucht. 1992 wurde die Kundenberatungsstelle am Obotritenring eingerichtet. Davor liefen alle Kundenkontakte und persönlichen Gespräche direkt bei der Abrechnungsstelle der Verkaufsabrechnung. Parallel wurde eine mobile Kundenberatung eingerichtet (VW Passat mit Wohnwagenanhänger). Jetzt existieren 4 stationäre und 3 mobile Beratungsstellen im WEMAG-Einzugsbereich.

1993  60 000 Kunden in der Kundenberatung

1994  70 000 Kunden in der Kundenberatung

Kernaufgaben der Kundenberatung:

Führen der Kundenkasse (30 % aller Stromrechnungen und Abschläge werden bar bezahlt). Gründe für Barzahlung: mangelndes Vertrauen in bargeldlosen Zahlungsverkehr, "ein bißchen reden".

Kundenberatung zur Stromanwendung und zu Energiesparmaßnahmen im Haushalt, z.B. Wärmepumpe, Warmwasser, Informationen über neue Techniken, Nachtspeicherheizung, Blockspeicher, Installationspläne.

Herstellerneutrale Geräteberatung aus den Anforderungen der Kunden. Dazu Informationseinholung von Herstellerfirmen und Computerprogramm zur Geräteberatung.

Beratung zur Raumheizung und Warmwasserbereitung.

PC-gestützte Küchen- und Badplanung

Hauswirtschaftliche Veranstaltungen für diverse Zielgruppen, z.B. Nutzanwendung Elektroherd und Mikrowelle, Weihnachtsbackveranstaltung, Veranstaltungen für Schüler, Hausfrauen, Lehrer, Installateure, Architekten.

Erarbeiten und Realisieren von Ausstellungskonzepten für die Kundenberatung.

Planung und Organisation des Einsatzes der Informationsmobile für Leute auf dem Land, die nicht zu den stationären Kundenberatungsstellen kommen können.

Planen und Beschaffen von Werbematerial wie Feuerzeuge, Kugelschreiber, Luftballons.

Im Dauerauftrag Weiterreichung von Um- und Abmeldungen, Barzahlungen an die Verkaufsabrechnung. Die Mitarbeiter der Kundenberatung haben durch Schulung gleichen Kenntnisstand in EAS wie die Verkaufsabrechnung (Unterschriftsbefugnis bis 2000,- DM).